The Life of Friedrich Schiller Comprehending an Examination of His Works · Thomas Carlyle
'SPECIAL INDICATION OF THE LOCALITIES REPRESENTED.
'_Frontispiece_, Thomas Carlyle's House in the County of Dumfries, South of Scotland. '_Titlepage Vignette_, The Same in the distance. '_Upper-side of Cover_, Schiller's House in Weimar. '_Under-side of Cover_, Solitary small Apartment in Schiller's Garden, over the Leutra Brook in Jena, built by himself; where, in the completest seclusion, he wrote many things, _Maria Stuart_ in particular. After his removal from Jena, and subsequent decease, the little Edifice was taken away as threatening to fall ruinous; and we wished here to preserve the remembrance of it.' Naehere Bezeichnung der dargestellten Lokalitaeten. Titelkupfer, Thomas Carlyles Wohnung in der Graffschaft Dumfries, des suedlichen Schottlands. Titel-Vignette, dieselbe in der Ferne. Vorderseite des Umschlags, Wohnung Schillers in Weimar. Rueckseite des Umschlags, einsames Haeuschen in Schillers Garten, ueber der Jenaischen Leutra, von ihm selbst errichtet; wo er in vollkommenster Einsamkeit manches, besonders Maria Stuart schrieb. Nach seiner Entfernung und erfolgtem Scheiden, trug man es ab, wegen Wandelbarkeit, und man gedachte hier das Andenken desselben zu erhalten. Thomas Carlyle Leben Schillers, aus dem Englischen; eingeleitet durch Goethe. Frankfurt am Main, 1830. Verlag von Heinrich Wilmans. Der hochansehnlichen Gesellschaft fuer auslaendische schoene Literatur, zu Berlin. Als gegen Ende des vergangenen Jahres ich die angenehme Nachricht erhielt, dass eine mir freundlich bekannte Gesellschaft, welche bisher ihre Aufmerksamkeit inlaendischer Literatur gewidmet hatte, nunmehr dieselbe auf die auslaendische zu wenden gedenke, konnte ich in meiner damaligen Lage nicht ausfuehrlich und gruendlich genug darlegen, wie sehr ich ein Unternehmen, bey welchen man auch meiner auf das geneigteste gedacht hatte, zu schaetzen wisse.
Selbst mit gegenwaertigem oeffentlichen Ausdruck meines dankbaren Antheils geschieht nur fragmentarisch was ich im bessern Zusammenhang zu ueberliefern gewuenscht haette. Ich will aber auch das wie es mir vorliegt nicht zurueckweisen, indem ich meinen Hauptzweck dadurch zu erreichen hoffe, dass ich naemlich meine Freunde mit einem Manne in Beruehrung bringe, welchen ich unter diejenigen zaehle, die in spaeteren Jahren sich an mich thaetig angeschlossen, mich durch eine mitschreitende Theilnahme zum Handeln und Wirken aufgemuntert, und durch ein edles, reines wohlgerichtetes Bestreben wieder selbst verjuengt, mich, der ich sie heranzog, mit sich fortgezogen haben. Es ist der Verfasser des hier uebersetzten Werkes, Herr #Thomas Carlyle#, ein Schotte, von dessen Thaetigkeit und Vorzuegen, so wie von dessen naeheren Zustaenden nachstehende Blaetter ein Mehreres eroeffnen werden. Wie ich denselben und meine Berliner Freunde zu kennen glaube, so wird zwischen ihnen und ihm eine frohe wirksame Verbindung sich einleiten und beide Theile werden, wie ich hoffen darf, in einer Reihe von Jahren sich dieses Vermaechtnisses und seines fruchtbaren Erfolges zusammen erfreuen, so dass ich ein fortdauerndes Andenken, um welches ich hier schliesslich bitten moechte, schon als dauernd gegoennt, mit anmuthigen Empfindungen voraus geniessen kann. in treuer Anhaenglichkeit und Theilnahme. Weimar April 1830. #J. W. v. Goethe.# Es ist schon einige Zeit von einer allgemeinen Weltliteratur die Rede und zwar nicht mit Unrecht: denn die saemmtlichen Nationen, in den fuerchterlichsten Kriegen durcheinander geschuettelt, sodann wieder auf sich selbst einzeln zurueckgefuehrt, hatten zu bemerken, dass sie manches Fremde gewahr worden, in sich aufgenommen, bisher unbekannte geistige Beduerfnisse hie und da empfunden. Daraus entstand das Gefuehl nachbarlicher Verhaeltnisse, und anstatt dass man sich bisher zugeschlossen hatte, kam der Geist nach und nach zu dem Verlangen, auch in den mehr oder weniger freyen geistigen Handelsverkehr mit aufgenommen zu werden.
Diese Bewegung waehrt zwar erst eine kurze Weile, aber doch immer lang genug, um schon einige Betrachtungen darueber anzustellen, und aus ihr bald moeglichst, wie man es im Waarenhandel ja auch thun muss, Vortheil und Genuss zu gewinnen. * * * * * Gegenwaertiges, zum Andenken #Schillers#, geschriebene Werk kann, uebersetzt, fuer uns kaum etwas Neues bringen; der Verfasser nahm seine Kenntnisse aus Schriften, die uns laengst bekannt sind, so wie denn auch ueberhaupt die hier verhandelten Angelegenheiten bey uns oefters durchgesprochen und durchgefochten worden. Was aber den Verehrern #Schillers#, und also einem jeden Deutschen, wie man kuehnlich sagen darf, hoechst erfreulich seyn muss, ist: unmittelbar zu erfahren, wie ein zartfuehlender, strebsamer, einsichtiger Mann ueber dem Meere, in seinen besten Jahren, durch #Schillers# Productionen beruehrt, bewegt, erregt und nun zum weitern Studium der deutschen Literatur angetrieben worden. Mir wenigstens war es ruehrend, zu sehen, wie dieser, rein und ruhig denkende Fremde, selbst in jenen ersten, oft harten, fast rohen Productionen unsres verewigten Freundes, immer den edlen, wohldenkenden, wohlwollenden Mann gewahr ward und sich ein Ideal des vortrefflichsten Sterblichen an ihm auferbauen konnte. Ich halte deshalb dafuer dass dieses Werk, als von einem Juengling geschrieben, der deutschen Jugend zu empfehlen seyn moechte: denn wenn ein munteres Lebensalter einen Wunsch haben darf und soll, so ist es der: in allem Geleisteten das Loebliche, Gute, Bildsame, Hochstrebende, genug das Ideelle, und selbst in dem nicht Musterhaften, das allgemeine Musterbild der Menschheit zu erblicken.
Spaeter, um sich selbst und seinen redlichen literarischen Studien unabhaengig zu leben, begab er sich, etwa zehen deutsche Meilen suedlicher, ein eignes Besitzthum zu bewohnen und zu benutzen, in die Grafschaft Dumfries. Hier, in einer gebirgigen Gegend, in welcher der Fluss Nithe dem nahen Meere zustroemt, ohnfern der Stadt Dumfries, an einer Stelle welche Craigenputtock genannt wird, schlug er mit einer schoenen und hoechst gebildeten Lebensgefaehrtin seine laendlich einfache Wohnung auf, wovon treue Nachbildungen eigentlich die Veranlassung zu gegenwaertigem Vorworte gegeben haben. * * * * * Gebildete Geister, zartfuehlende Gemuether, welche nach fernem Guten sich bestreben, in die Ferne Gutes zu wirken geneigt sind, erwehren sich kaum des Wunsches, von geehrten, geliebten, weitabgesonderten Personen das Portrait, sodann die Abbildung ihrer Wohnung, so wie der naechsten Zustaende, sich vor Augen gebracht zu sehen. Wie oft wiederholt man noch heutiges Tags die Abbildung von Petrarch's Aufenthalt in Vaucluse, Tasso's Wohnung in Sorent! Und ist nicht immer die Bieler Insel, der Schutzort Rousseau's, ein seinen Verehrern nie genugsam dargestelltes Local? In eben diesem Sinne hab' ich mir die Umgebungen meiner entfernten Freunde im Bilde zu verschaffen gesucht, und ich war um so mehr auf die Wohnung Hrn. #Thomas Carlyle# begierig, als er seinen Aufenthalt in einer fast rauhen Gebirgsgegend unter dem 55ten Grade gewaehlt hatte. Ich glaube durch solch eine treue Nachbildung der neulich eingesendeten Originalzeichnungen gegenwaertiges Buch zu zieren und dem jetzigen gefuehlvollen Leser, vielleicht noch mehr dem kuenftigen, einen freundlichen Gefallen zu erweisen und dadurch, so wie durch eingeschaltete Auszuege aus den Briefen des werthen Mannes, das Interesse an einer edlen allgemeinen Laender- und Weltannaeherung zu vermehren.
Fuerwahr meine staedtischen Freunde schreiben mein Hierhergehen einer aehnlichen Gesinnung zu und weissagen mir nichts Gutes; aber ich zog hierher, allein zu dem Zweck meine Lebensweise zu vereinfachen und eine Unabhaengigkeit zu erwerben, damit ich mir selbst treu bleiben koenne. Dieser Erdraum ist unser, hier koennen wir leben, schreiben und denken wie es uns am besten daeucht, und wenn Zoilus selbst Koenig der Literatur werden sollte. Auch ist die Einsamkeit nicht so bedeutend, eine Lohnkutsche bringt uns leicht nach Edinburgh, das wir als unser brittisch Weimar ansehen. Habe ich denn nicht auch gegenwaertig eine ganze Ladung von franzoesischen, deutschen, amerikanischen, englischen Journalen und Zeitschriften, von welchem Werth sie auch seyn moegen, auf den Tischen meiner kleinen Bibliothek aufgehaeuft! Auch an alterthuemlichen Studien fehlt es nicht. Von einigen unsrer Hoehen entdeck' ich, ohngefaehr eine Tagereise westwaerts, den Huegel, wo Agrikola und seine Roemer ein Lager zurueckliessen; am Fusse desselben war ich geboren, wo Vater und Mutter noch leben um mich zu lieben. Und so muss man die Zeit wirken lassen. Doch wo gerath ich hin! Lassen Sie mich noch gestehen, ich bin ungewiss ueber meine kuenftige literarische Thaetigkeit, worueber ich gern Ihr Urtheil vernehmen moechte; gewiss schreiben Sie mir wieder und bald, damit ich mich immer mit Ihnen vereint fuehlen moege." * * * * * Wir, nach allen Seiten hin wohlgesinnten, nach allgemeinster Bildung strebenden Deutschen, wir wissen schon seit vielen Jahren die Verdienste wuerdiger schottischer Maenner zu schaetzen. Uns blieb nicht unbekannt, was sie frueher in den Naturwissenschaften geleistet, woraus denn nachher die Franzosen ein so grosses Uebergewicht erlangten.
In der neuern Zeit verfehlten wir nicht den lichen Inflows anzuerkennen, den ihre Philosophie auf die Sinnesaenderung der Franzosen ausuebte, um sie von dem starren Sensualism zu einer geschmeidigern Denkart auf dem Wege des gemeinen Menschenverstandes hinzuleiten. Wir verdankten ihnen gar manche gruendliche Einsicht in die wichtigsten Faecher brittischer Zustaende und Bemuehungen. Dagegen mussten wir vor nicht gar langer Zeit unsre ethisch-aesthetischen Bestrebungen in ihren Zeitschriften auf eine Weise behandelt sehen, wo es zweifelhaft blieb, ob Mangel an Einsicht oder boeser Wille dabey obwaltete; ob eine oberflaechliche, nicht genug durchdringende Ansicht, oder ein widerwilliges Vorurtheil im Spiele sey. Dieses Ereigniss haben wir jedoch geduldig abgewartet, da uns ja dergleichen im eignen Vaterlande zu ertragen genuegsam von jeher auferlegt worden. In den letzten Jahren jedoch erfreuen uns aus jenen Gegenden die liebevollsten Blicke, welche zu erwiedern wir uns verpflichtet fuehlen und worauf wir in gegenwaertigen Blaettern unsre wohldenkenden Landsleute, insofern es noethig seyn sollte, aufmerksam zu machen gedenken. * * * * * Herr #Thomas Carlyle# hatte schon den #Wilhelm Meister# uebersetzt und gab sodann vorliegendes Leben #Schillers# im Jahre 1825 heraus. Im Jahre 1827 erschien _German Romances_ in 4 Baenden, wo er, aus den Erzaehlungen und Maehrchen deutscher Schriftsteller als: #Musaeus#, #La Motte Fouque#, #Tieck#, #Hoffmann#, #Jean Paul# und #Goethe#, heraushob, was er seiner Nation am gemaessesten zu seyn glaubte.
Die einer jeden Abtheilung vorausgeschickten Nachrichten von dem Leben, den Schriften, der Richtung des genannten Dichters und Schriftstellers geben ein Zeugniss von der einfach wohlwollenden Weise, wie der Freund sich moeglichst von der Persoenlichkeit und den Zustaenden eines jeden zu unterrichten gesucht, und wie er dadurch auf den rechten Weg gelangt, seine Kenntnisse immer mehr zu vervollstaendigen. In den Edinburgher Zeitschriften, vorzueglich in denen welche eigentlich fremder Literatur gewidmet sind, finden sich nun, ausser den schon genannten deutschen Autoren, auch #Ernst Schulz#, #Klingemann#, #Franz Horn#, #Zacharias Werner#, Graf #Platen# und manche andere, von verschiedenen Referenten, am meisten aber von unserm Freunde, beurtheilt und eingefuehrt. Hoechst wichtig ist bey dieser Gelegenheit zu bemerken, dass sie eigentlich ein jedes Werk nur zum Text und Gelegenheit nehmen, um ueber das eigentliche Feld und Fach, so wie alsdann ueber das besondere Individuelle, ihre Gedanken zu eroeffnen und ihr Gutachten meisterhaft abzuschliessen. Diese _Edinburgh Reviews_, sie seyen dem Innern und Allgemeinen, oder den auswaertigen Literaturen besonders gewidmet, haben Freunde der Wissenschaften aufmerksam zu beachten; denn es ist hoechst merkwuerdig, wie der gruendlichste Ernst mit der freysten Uebersicht, ein strenger Patriotismus mit einem einfachen reinen Freysinn, in diesen Vortraegen sich gepaart findet. * * * * * Geniessen wir nun von dort, in demjenigen was uns hier so nah angeht, eine reine einfache Theilnahme an unsern ethisch-aesthetischen Bestrebungen, welche fuer einen besondern Charakterzug der Deutschen gelten koennen, so haben wir uns gleichfalls nach dem umzusehen, was ihnen dort von dieser Art eigentlich am Herzen liegt. Wir nennen hier gleich den Namen #Burns#, von welchem ein Schreiben des Herrn #Carlyle's# folgende Stelle enthaelt.
"Das einzige einigermassen Bedeutende, was ich seit meinem Hierseyn schrieb, ist ein Versuch ueber #Burns#. Vielleicht habt Ihr niemals von diesem Mann gehoert, und doch war er einer der entschiedensten Genies; aber in der tiefsten Classe der Landleute geboren und durch die Verwicklungen sonderbarer Lagen zuletzt jammervoll zu Grunde gerichtet, so dass was er wirkte verhaeltnissmaessig geringfuegig ist; er starb in der Mitte der Manns-Jahre (1796)." "Wir Englaender, besonders wir Schottlaender, lieben #Burns# mehr als irgend einen Dichter seit Jahrhunderten. Oft war ich von der Bemerkung betroffen, er sey wenig Monate vor #Schiller#, in dem Jahr 1759 geboren und keiner dieser beiden habe jemals des andern Namen vernommen. Sie glaenzten als Sterne in entgegengesetzten Hemisphaeren, oder, wenn man will, eine truebe Erdatmosphaere fing ihr gegenseitiges Licht auf." Mehr jedoch als unser Freund vermuthen mochte, war uns #Robert Burns# bekannt; das allerliebste Gedicht _John Barley-Corn_ war anonym zu uns gekommen, und verdienter Weise geschaetzt, veranlasste solches manche Versuche unsrer Sprache es anzueignen. _Hans Gerstenkorn_, ein wackerer Mann, hat viele Feinde, die ihn unablaessig verfolgen und beschaedigen, ja zuletzt gar zu vernichten drohen. Aus allen diesen Unbilden geht er aber doch am Ende triumphirend hervor, besonders zu Heil und Froehlichkeit der leidenschaftlichen Biertrinker. Gerade in diesem heitern genialischen Anthropomorphismus zeigt sich #Burns# als wahrhaften Dichter. Auf weitere Nachforschung fanden wir dieses Gedicht in der Ausgabe seiner poetischen Werke von 1822, welcher eine Skizze seines Lebens voransteht, die uns wenigstens von den Aeusserlichkeiten seiner Zustaende bis auf einen gewissen Grad belehrte. Was wir von seinen Gedichten uns zueignen konnten, ueberzeugte uns von seinem ausserordentlichen Talent, und wir bedauerten, dass uns die Schottische Sprache gerade da hinderlich war, wo er des reinsten natuerlichsten Ausdrucks sich gewiss bemaechtigt hatte. Im Ganzen jedoch haben wir unsre Studien so weit gefuehrt, dass wir die nachstehende ruehmliche Darstellung auch als unsrer Ueberzeugung gemaess unterschreiben koennen.
Inwiefern uebrigens unser #Burns# auch in Deutschland bekannt sey, mehr als das Conversations-Lexicon von ihm ueberliefert, wuesste ich, als der neuen literarischen Bewegungen in Deutschland unkundig, nicht zu sagen; auf alle Faelle jedoch gedenke ich die Freunde auswaertiger Literatur auf die kuerzesten Wege zu weisen: _The Life of Robert Burns. By J. G. Lockhart. Edinburgh 1828_, rezensirt von unserm Freunde im _Edinburgh Review_, December 1828. Nachfolgende Stellen daraus uebersetzt, werden den Wunsch, das Ganze und den genannten Mann auf jede Weise zu kennen, hoffentlich lebhaft erregen. * * * * * "#Burns# war in einem hoechst prosaischen Zeitalter, dergleichen Brittanien nur je erlebt hatte, geboren, in den aller unguenstigsten Verhaeltnissen, wo sein Geist nach hoher Bildung strebend ihr unter dem Druck taeglich harter koerperlicher Arbeit nach zu ringen hatte, ja unter Mangel und trostlosesten Aussichten auf die Zukunft; ohne Foerderniss als die Begriffe, wie sie in eines armen Mannes Huette wohnen, und allenfalls die Reime von Ferguson und Ramsay, als das Muster der Schoenheit aufgesteckt. Aber unter diesen Lasten versinkt er nicht; durch Nebel und Finsterniss einer so duestern Region entdeckt sein Adlerauge die richtigen Verhaeltnisse der Welt und des Menschenlebens, er waechst an geistiger Kraft und draengt sich mit Gewalt zu verstaendiger Erfahrung. Angetrieben durch die unwiderstehliche Regsamkeit seines inneren Geistes strauchelt er vorwaerts und zu allgemeinen Ansichten, und mit stolzer Bescheidenheit reicht er uns die Frucht seiner Bemuehungen, eine Gabe dar, welche nunmehr durch die Zeit als unvergaenglich anerkannt worden."
"Ein wahrer Dichter, ein Mann in dessen Herzen die Anlage eines reinen Wissens keimt, die Toene himmlischer Melodien vorklingen, ist die koestlichste Gabe, die einem Zeitalter mag verliehen werden. Wir sehen in ihm eine freyere, reinere Entwicklung alles dessen was in uns das Edelste zu nennen ist; sein Leben ist uns ein reicher Unterricht und wir betrauern seinen Tod als eines Wohlthaeters, der uns liebte so wie belehrte." "Solch eine Gabe hat die Natur in ihrer Guete uns an #Robert Burns# gegoennt; aber mit allzuvornehmer Gleichgueltigkeit warf sie ihn aus der Hand als ein Wesen ohne Bedeutung. Es war entstellt und zerstoert ehe wir es anerkannten, ein unguenstiger Stern hatte dem Juengling die Gewalt gegeben, das menschliche Daseyn ehrwuerdiger zu machen, aber ihm war eine weisliche Fuehrung seines eigenen nicht geworden. Das Geschick--denn so muessen wir in unserer Beschraenktheit reden--seine Fehler, die Fehler der Andern lasteten zu schwer auf ihm, und dieser Geist, der sich erhoben hatte, waere es ihm nur zu wandern geglueckt, sank in den Staub; seine herrlichen Faehigkeiten wurden in der Bluethe mit Fuessen getreten. Er starb, wir duerfen wohl sagen, ohne jemals gelebt zu haben. Und so eine freundlich warme Seele, so voll von eingebornen Reichthuemern, solcher Liebe zu allen lebendigen und leblosen Dingen! Das spaete Tausendschoenchen faellt nicht unbemerkt unter seine Pflugschar, so wenig als das wohlversorgte Nest der furchtsamen Feldmaus, das er hervorwuehlt. Der wilde Anblick des Winters ergoetzt ihn; mit einer trueben, oft wiederkehrenden Zaertlichkeit, verweilt er in diesen ernsten Scenen der Verwuestung; aber die Stimme des Windes wird ein Psalm in seinem Ohr; wie gern mag er in den sausenden Waeldern dahin wandern: denn er fuehlt seine Gedanken erhoben zu dem, der auf den Schwingen des Windes einherschreitet. Eine wahre Poetenseele! sie darf nur beruehrt werden und ihr Klang ist Musik."
"Welch ein warmes allumfassendes Gleichheitsgefuehl! welche vertrauenvolle, graenzenlose Liebe! welch edelmuthiges Ueberschaetzen des geliebten Gegenstandes! Der Bauer, sein Freund, sein nussbraunes Maedchen sind nicht laenger gering und doerfisch, Held vielmehr und Koenigin, er ruehmt sie als gleich wuerdig des Hoechsten auf der Erde. Die rauhen Scenen schottischen Lebens sieht er nicht im arkadischen Lichte, aber in dem Rauche, in dem unebenen Tennenboden einer solchen rohen Wirthlichkeit findet er noch immer Liebenswuerdiges genug. Armuth fuerwahr ist sein Gefaehrte, aber auch Liebe und Muth zugleich; die einfachen Gefuehle, der Werth, der Edelsinn, welche unter dem Strohdach wohnen, sind lieb und ehrwuerdig seinem Herzen. Und so ueber die niedrigsten Regionen des menschlichen Daseyns ergiesst er die Glorie seines eigenen Gemueths und sie steigen, durch Schatten und Sonnenschein gesaenftigt und verherrlicht, zu einer Schoenheit, welche sonst die Menschen kaum in dem Hoechsten erblicken."
"Hat er auch ein Selbstbewusstseyn, welches oft in Stolz ausartet, so ist es ein edler Stolz, um abzuwehren, nicht um anzugreifen, kein kaltes misslaunisches Gefuehl, ein freyes und geselliges. Dieser poetische Landmann betraegt sich, moechten wir sagen, wie ein Koenig in der Verbannung; er ist unter die Niedrigsten gedraengt und fuehlt sich gleich den Hoechsten; er verlangt keinen Rang, damit man ihm keinen streitig mache. Den Zudringlichen kann er abstossen, den Stolzen demuethigen, Vorurtheil auf Reichthum oder Altgeschlecht haben bey ihm keinen Werth. In diesem dunklen Auge ist ein Feuer, woran sich eine abwuerdigende Herablassung nicht wagen darf; in seiner Erniedrigung, in der aeussersten Noth vergisst er nicht fuer einen Augenblick die Majestaet der Poesie und Mannheit. Und doch, so hoch er sich ueber gewoehnlichen Menschen fuehlt, sondert er sich nicht von ihnen ab, mit Waerme nimmt er an ihrem Interesse Theil, ja er wirft sich in ihre Arme und, wie sie auch seyen, bittet er um ihre Liebe. Es ist ruehrend zu sehen, wie in den duestersten Zustaenden dieses stolze Wesen in der Freundschaft Huelfe sucht, und oft seinen Busen dem Unwuerdigen aufschliesst; oft unter Thraenen an sein gluehendes Herz ein Herz andrueckt, das Freundschaft nur als Namen kennt. Doch war er scharf und schnellsichtig, ein Mann vom durchdringendsten Blick, vor welchem gemeine Verstellung sich nicht bergen konnte. Sein Verstand sah durch die Tiefen des vollkommensten Betruegers, und zugleich war eine grossmuethige Leichtglaeubigkeit in seinem Herzen. So zeigte sich dieser Landmann unter uns: Eine Seele wie Aeolsharfe, deren Saiten vom gemeinsten Winde beruehrt, ihn zu gesetzlicher Melodie verwandelten. Und ein solcher Mann war es fuer den die Welt kein schicklicher Geschaeft zu finden wusste, als sich mit Schmugglern und Schenken herumzuzanken, Accise auf den Talg zu berechnen und Bierfaesser zu visiren. In solchem Abmuehen ward dieser maechtige Geist kummervoll vergeudet, und hundert Jahre moegen vorueber gehen, eh uns ein gleicher gegeben wird, um vielleicht ihn abermals zu vergeuden."
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